Der liebende Affe

Am Anfang hatte der Mensch vier Hände und vier Füße. "Zwei einander durchaus ähnliche Gesichter" besaß er, "ferner vier Ohren und zwei Schamteile". Vor allem aber: Er war ein Hermaphrodit. "Schnell im Kreise", "sich ├╝berschlagend" habe sich dieses Wesen fortbewegt, berichtet der griechische Dichter Aristophanes in Platons Gastmahl. "Von gewaltiger Kraft und Stärke" wagte es sich "selbst an die Götter". Da kannte Zeus keine Gnade. So wie man "Eier mit Pferdehaaren" zerschneide, habe der Chefgott die Menschen in der Mitte entzweigeteilt: "Da trat jede Hälfte heran, und sie schlangen die Arme umeinander und hielten sich umfasst, voller Begierde." "Seit so langer Zeit ist demnach die Liebe zueinander den Menschen eingeboren", fährt Aristophanes fort. Nur eine "Halbmarke" sei jeder Mensch, "weil wir zerschnitten, wie die Schollen, zwei aus einem geworden sind": "Daher sucht denn jeder beständig seine andere Hälfte." Vor rund 2400 Jahren saß Aristophanes mit seinen Freunden zum "Symposion" zusammen. Die griechische Talkrunde wälzte Probleme, die heute noch genauso aktuell sind wie damals. Das Mysterium der Liebe suchten die Gelehrten zu entschlüsseln, das Geheimnis der Begierde und des Strebens "nach dem Ganzen".

Philip Bethge, 2005








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