Unterschiedliche Bewegungsrichtungen

Während des Arbeitsprozesses wird die Leinwand zur Schaubühne des Bildgeschehens, zum Laboratorium. Leissing benützt die Malerei wie der Chemiker die reagierenden Substanzen. Es gilt, aus den Vorgangsweisen, die in der Malerei in den letzten Jahrzehnten allgemein entwickelt und wieder verworfen wurden, ein neues System zu bauen. Mit dem Auftauchen der neuen Medien und der neuen Bildwelten, hat sich der Ausgangspunkt der Malerei dramatisch verändert. Leissing hat sich dem nie verschlossen. Schon in den 80ern hat er sich eng an die Film und Fernsehwelt angelehnt und deren Vokabular in den eigenen Kunstkosmos übersetzt. Auch in den Wandbildern wird dieses Aufblühen thematisiert, nämlich durch die Fokussierung auf die Bewegung. Bewegung, Fitness, Aktivität als Symbolik der Vitalität. Tanzen, Hüfen, Springen, im Wasser treiben als Gestik einer Körperkultur und des Strebens nach einem idealen Körper, wie sie von Medien, Idolen und Fitnessströmungen propagiert werden. Doch die Idylle trügt. Leissing wäre nicht Leissing, würde er das ganze nicht einer ambivalenten Betrachtungsweise unterziehen und Störungen einbauen. So wird etwa die sich nach vor werfende Weitspringerin von einer zu Boden taumelnden Frau konterkariert. Seit Edgar Leissing malt, steht das Bild des Menschen und seines Körpers, wie es medial transportiert wird, im Zentrum seiner Arbeit. Ein Bild, das ständig in Frage gestellt wird, ein Bild, das permanent neu definiert werden will, ein Bild, an dem sich alle Geister scheiden.

Karl-Heinz Pichler, 2000








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