Ästhetik der Hässlichkeit

Edgar Leissings Körpercollage-Hermaphroditen sind hybride Wesen, die der Künstler in frühen "KörperCollagen" (95-96) vorbereitet und bis heute in anderen Körperverwachsungen weiterentwickelt hat. Diese neoexpressionistisch ausgeformten Zwitterwesen sprechen von einer inneren Sehnsucht nach Liebe und Einheit, wie sie bereits ursächlich vom griechischen Dichter Aristophanes beschrieben wurde. Im Versuch, das Mysterium der Liebe und das Geheimnis der Begierde zu entschlüsseln, erklärte dieser den Mensch als ehemals doppelköpfiges und vierbeiniges Wesen. Zeus soll diesen Hermaphroditen entzweit haben und der Künstler führt ihn wieder zusammen. Entscheidend für die bizarren Legierungen im Werk von Edgar Leissing ist der innere Zwiespalt zwischen dem schönen Illusionismus und der hässlichen Sinnzertrümmerung. Auf der einen Seite steht das abbildende Zeigen von Welt und auf der anderen Seite bildsprachliche Exzesse mit Missgeburten, an denen sich die Gier nach neuem Leben manifestiert. Kennzeichnend ist der andauernde, lustbetonten Sog des Geschichtenerzählens und der Hunger nach Motivverschmelzung, bei der mitunter auch dekorative Muster Keime einer abgründigen Ästhetik in sich tragen.

Winfried Nussbaummüller Kunsthaus Bregenz








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