Ich klaue Bilder

Ich erfinde keine eigenen Bilder, ich klaue Bilder und Bilddetails aus der immensen Flut die uns tagtäglich auf Plakatwänden, in Zeitschriften, im Fernsehen und am Computer überrollt. Ich kann aus dem Vollen schöpfen, sammeln, archivieren, neu arrangieren. Ich reiße die Bilder aus ihrer gewohnten Bahn, denn sie langweilen sich zu Tode, wenn sie im immer gleichen Kontext gezeigt werden - also frage ich sie, mit wem möchtest du denn diesmal eine Tasse Kaffee trinken? - lasse die unmöglichsten, widersprüchlichsten Realitäten miteinander korrespondieren, knüpfe Verbindungen mittels Farbe, Form und Bewegung und lenke sie auf eine neue Umlaufbahn. Jedes Bild ist ein Impuls, ein Ton, dann eine Tonfolge, oder ein Refrain, den ich sample und zu einem neuen Gebilde zusammenfüge, komponiere. Das Bindeglied, der rote Faden durch dieses Geflecht ist der Mensch, der menschliche Körper, der Klangkörper, der eigene Körper als Resonanzraum, um aus einem Bewusstsein von Gegenwart heraus den eigenen Kosmos zu erforschen.

Edgar Leissing, 1994








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