Edgar Leissing. Manierismus der Seitenblicke.

In mehrerlei Hinsicht ist der Bregenzer Maler Edgar Leissing ein Künstler des heutigen Manierismus.

Erstens: Die geschraubte Welt. Die von ihm gemalten Figuren tänzeln, schrauben und winden sich um ihre eigenen Achsen. Menschenpaare finden sich in schrillen Kombinationen, in seltsamer Balance und in unerwarteten Nachbarschaften. Der Betrachter ist verblüfft.

Zweitens. Der Zeitgeist. Leissings Bildfindungen entspringen dem schönen Schein der Seitenblicke-Wirklichkeit. Aus seinem in den letzten 20 Jahren angewachsenen Archiv aus Hochglanz-Magazinen, Fotografien und Plakaten verschneidet und collagiert er die Welt. Was sein Auge reizt, fließt in die Bildsammlung ein. Unerschrocken geplündert werden auch Motive der Kunst. In der schicken Welt der Marken und Moden sucht der Künstler sein Material, das er in seiner expressiven Malerei stets zu Neuem verwandelt.

Drittens. Die Vielfalt. Ungeachtet von der Größe des Bildträgers ist für Leissing die Vielschichtigkeit der Welt, in der sich Schein und Sein verstricken, auch die seiner Bilder. Die Bandbreite der Arbeit reicht von zündholzschachtelgroßen Motiven bis zu Häuserfassaden.

Viertens: Die Triebfeder Lust. Edgar Leissings Geschichten wirken stets spielerisch und unbeschwert. Erzählt wird von einer lustbetonten Welt und einem Sog ständiger Umwandlung. Lust zeigt sich nicht nur im Farbauftrag und Pinselstrich, sondern auch in der Zurschaustellung der Motive, die zufällig oder bewusst, oberflächlich oder tiefsinnig zueinander finden. Die Summe der Einzelteile unterwandert eingeschliffene Betrachtungsweisen und erweitert die Lesbarkeit von Wirklichkeit.

Fünftens: Die Selbstbedienung. Fündig wird der Maler im Supermarkt der Stile. Mit großem Vergnügen enttarnt er die Effekthascherei der Medienbilder und überlistet mit surrealem Witz ihre Trivialität.

Sechstens: Die Übersetzung. Der Dolmetsch Leissing lässt sich zum kreativen Funkenschlag treiben. Er jongliert mit der Bildwelt und ordnet diese nach seiner Logik neu. Er montiert, schabt, streicht, übermalt und übersetzt dabei seine Vorlagen in die Sprache der Malerei. Das Ergebnis ist eine zwischen Illusion und Sinnzertrümmerung pulsierende Kunst, die den Betrachter verführt und zum Rendezvous bittet.

Winfried Nussbaummüller








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