Manierismus der Seitenblicke

Der Künstler kreiert und inszeniert in seiner Kunst aus verschiedensten Bildquellen, die seinem Fundus von Zeitschriften und Hochglanzmagazinen entspringen, eine stets neue und zugleich unbeschwert lustbetonte Welt. Unter seiner choreographisch waltenden Hand entstehen zufällig und bewusst neue Bildwirklichkeiten. Kennzeichnend ist dabei die spielerische Balance des Ausgangsmaterials. Oberflächlich formale Entsprechungen oder tiefer liegende Ausdrucksebenen verschmelzen passstückartig zu sinnstiftenden Ehen. Als neuer Bildkontext erweitert die Legierung die eindimensionale Lesbarkeit der einzelnen Motive. Für die Bildfindungen plündert Edgar Leissing unerschrocken auch die Motive der Kunstgeschichte und das ins Allgemeingut übergegangene Selbstdarstellungsbild von Künstlerkollegen mit ausgeprägter Medientauglichkeit. Beispielhaft angeführt seien hier Martin Kippenbergers Symbiose mit einem Surfer oder Arnulf Rainer als Träger einer Rubens-Dame. Durchwegs handelt es sich um einen Manierismus in Reinkultur. Dies gilt nicht nur für die äußerlichen Indizien, die gekrümmten Verrenkungen der Figuren, die Konfrontation heterogener Bildpaare, die erotische Zurschaustellung der Protagonisten, sondern auch für die inhaltlichen Ebenen. Die Motive entspringen dem zeitgeistgeprägten Schein der Seitenblicke-Wirklichkeit, der Welt von markenfähigen Identitäten. Im Sinne von Readymades wird das gefundene Material adaptiert und für Leissings Zwecke zurechtgebogen. Der Künstler zitiert und jongliert, er lässt sich zum kreativen Funkenschlag treiben und transformiert die Wortspenden in seine expressiv malerische Bildsprache. Mit genialer Lockerheit arbeitet er an einer idealen, weil real ausgeformten Scheinwelt.

Winfried Nußbaummüller, 2004








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