Bregenzerwälder Käsetradition
Seit Jahrhunderten wird im Bregenzerwald unter teils schwierigsten Bedingungen erstklassiger Käse hergestellt. Über 4.500 Tonnen Käse werden im Bregenzerwald jährlich erzeugt und das in kleinen überschaubaren Strukturen. Die kleinen Dorfsennereien und Sennalpen im Bregenzerwald werden von über 1.000 bäuerlichen Familien der Region mit silofreier Milch beliefert. Dabei hat eine Bauernfamilie im Durchschnitt ca. 9 Kühe und eine Heimgutfläche von 8 ha. Die Notwendigkeit, auch in schwierigem Gelände für genug Heu zur Einlagerung vorzusorgen, macht die Bregenzerwälder Bauern zu effizienten Landschaftspflegern.

Bregenzerwälder Käsekeller
Die Gesellschafter der im Mai 2002 gegründeten Bregenzerwälder Käsekeller GmbH, die Bregenzer-wälder Sennereien, Vermarkter Alma, Privatkäserei Rupp, Sutterlüty, Käserei Moosbrugger und Gebrü-der Baldauf, der Alpwirtschaftsverein sowie die KäseStrasse Bregenzerwald, haben sich für die Errichtung eines Alp- und Bergkäsekellers für die Reifung von über 30.000 Laiben im Zentrum des Bregenzerwaldes am Ortseingang von Lingenau entschieden. Mit diesem Projekt ist es gelungen, die Interessen der Produzenten, Vermarkter und regionalen Institutionen zu vereinen. Die Zielsetzung war und ist die Förderung eines Qualitätsproduktes aus silo-freier Rohmilch. Durch die silofreie Bewirtschaftung bleibt die Natur- und Kulturlandschaft im Bregen-zerwald erhalten und die Talschaft kann sich wei-terhin als Käseregion profilieren. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 6,5 Mio. Euro ist der Bregenzerwälder Käsekeller der größte gemeinsame Meilenstein in der Geschichte der Bregenzerwälder Milchwirtschaft.

Silofrei
Das gemeinsame Qualitätskriterium der Bregenzerwälder Käse-spezialitäten ist die ausschließliche Verwendung von silofreier Milch. Diese ist inzwischen zu einer Rarität in der Europäischen Union geworden, wenn man bedenkt, dass gerade noch 3% der Milch in der EU silofrei hergestellt werden. Silofrei heißt, dass die Kühe nur Heu und frisches Gras zur Fütterung erhalten. Das Bouquet der Alpkräuter und Gräser findet sich dabei durch die Milch im besonders würzigen und kräftigen Aroma des Bregenzerwälder Berg- und Alpkäses wieder.

Architektur und Kunst
Mit Architekt DI Oskar Leo Kaufmann wurde einer der profiliertesten Vertreter der jüngeren Generation der europaweit anerkannten Vorarlberger Architekturszene für den Neubau gewonnen. Sein monolithischer Baukörper aus Sichtbeton fügt sich selbstbewusst in die Landschaft ein. Besonderes Augenmerk wurde auf den Präsentations- und Besucherraum im ebenerdigen Foyer mit dem Blick in einen der drei Reifungskeller gelegt. Hier kann die vollautomatisierte Pflege des Käses beobachtet werden: Ein Roboter fährt entlang der 70 Meter langen Käsegestelle, hebt jeden Käselaib einzeln von den Fichtenholzbrettern, bürstet ihn mit Salzwasser und legt ihn wieder an den angestammten Platz zurück.
Für das Foyer schuf der Vorarlberger Künstler Edgar Leissing eine Serie großformatiger Farbfotografien, in denen auf poetische Art und Weise das kulturelle und soziale Umfeld der Käse- und Milchproduktion im Bregenzerwald thematisiert wird. Tradition und Zukunft, Handwerk und Technologie, Kunst und Natur, Landschaft und kulinarischer Genuss verbinden sich im Käsekeller zu einem Erlebnis.

Rudolf Sagmeister, 2003








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