Bilderblüten pflücken

Er pflückt Bilder von Plakatwänden, von Bildschirmen, aus den Zeitungen. Oder er hat die Kamera um den Hals und betrachtet die Welt durch den Sucher. Nahe heranzoomen. Auf die Statisten scharfstellen. Alltagsschnipsel, die er neu zusammenklebt. Auf die Rückseite von Entwurfspapier. Später schiebt er sie vorsichtig in Klarsichtfolien, den schwarzen Ordner zu den anderen ins Regal. Die richtigen Worte sind schwer zu finden, sagt er. Deswegen sammelt er sie in einem Karton. Damit er schöne Worte hat, wenn er welche braucht. Immer wenn die Ölfarbe getrocknet ist, öffnet er den Karton. Schöpft seinen Handteller voll. Er benennt seine Bilder in Großbuchstaben. Mit Wortzufalls-bekanntschaften.

Sarah Rinderer, August 2013








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