Angefangen hat alles mit Michael Köhlmeier. Vom Hohenemser Autor hat Edgar Leissing 1988 sein erstes Porträt gemalt und es ihm als Dank für eine Vernissagerede, die Köhlmeier für ihn gehalten hatte, geschenkt. Ein gemaltes Porträt im Austausch gegen ein literarisches. Auch zur Malerei selbst ist Leissing nur durch Zufall oder vielmehr aus finanziellen Gründen gekommen ist. Der ursprünglich aus der Grafik und Fotografie kommende Bregenzer Künstler hatte vor rund 30 Jahren begonnen, Abbilder seiner Schwarz-Weiß-Foto-Negative zu malen, „weil die Entwicklung und Vergrößerung in Farbe damals unheimlich teuer war“, erzählt er. „Das Malen mit selbst gemischten Ölfarben war viel billiger.“ Die ersten Leinwände bekam er aus dem Nachlass des Künstlers Hubert Berchtold und später übermalte er die alten Bühnenbilder des „Fest des Kindes“ der Bregenzer Festspiele, wo er jahrelang als Workshopleiter tätig war. Mittlerweile ist Leissing einer der bekanntesten Vorarlberger Maler und wird auch als Porträtist geschätzt.
So wurde er von Gebhard Halder nach dessen Ausscheiden aus dem Amt des Landtagspräsidenten ebenso wie von Kuno Riedmann nach dessen Abschied als Wirtschaftkammerpräsident gebeten, sie zu malen. Mit Riedmann hat er sich getroffen, zahlreiche Fotos von ihm gemacht und dann eines ausgewählt, das als Vorlage diente. Rund eine Woche ist Leissing an einem Porträt dran. „Eindeutig schwieriger“ sei im Vergleich der Geschlechter das Malen von Frauen. „Ein Mann verzeiht es eher, wenn man einen Charakterkopf herausarbeitet, wenn man den Pinselstrich etwas grober aufträgt. Die meisten Frauen sind etwas komplizierter, wollen makellos dargestellt werden“, muss Leissing in diesem Fall gängige Klischees bestätigen.
Geburtstage sind häufig Anlässe, um ein Porträt in Auftrag zu geben. So war es auch bei einem Bregenzer Jäger, der Jahre zuvor in einer Ausstellung von Leissing ein Bild entdeckt hatte, auf dem im Hintergrund ein Geweih abgebildet war. Ein Familienbild mit seinem Jagdhund und einem Hirschgeweih, das besondere Bedeutung für ihn hat, wollte er danach auch haben. Einige Zeit hat es dann aber noch gedauert, bis es zu einem mehrstündugen Fotoshooting kam. Anschließend wurde die Vorlage für ein Bild ausgewählt und anlässlich des 60. Geburtstages des Auftraggebers gemalt. Dass Tiere mit aufs Bild kommen, ist nicht unüblich. Auch das Einzelporträt einer Katze hat Leissing schon gemalt. Vor der endgültigen Fertigstellung der Arbeiten holt der Künstler immer die Meinung einer „Zweitbegutachterin“ ein, der befreundeten Künstlerin Helene Weber, die dann noch einmal kritisch und mit Fachkenntnis das Bild anschaut und auf eventuelle Mängel aufmerksam macht. „Selber wird man betriebsblind“, begründet Leissing dieses Vorgehen.
Porträtmalerei hat in der Geschichte der Kunst eine gro?e Tradition. Seit der Antike finden sich künstlerische Darstellungen einzelner Menschen. Im 16., 17. Jahrhundert kam dann kaum ein bekannter Künstler am Genre vorbei. Waren ursprünglich Adel und Kirche die Auftraggeber, so wurde es später auch ein reiches Bürgertum, das sich und seine Kinder porträtieren lie?. Durch die Entstehung der Fotografie hat die Porträtmalerei dann einiges an Bedeutung verloren, wenngleich es auch im letzten Jahrhundert noch durchaus üblich war, dass Firmenchefs oder Kinder an den Wänden der Büros oder der Wohnzimmer hingen.
In Vorarlberg war bis 1950/60 eine ganz traditionelle Porträtmalerei zu beobachten, erzählt Leissing. Dann folgte ein formaler Bruch, moderne Elemente kamen hinzu. „Es gab früher Künstler und Künstlerinnen, die fast nur Porträts, etwa von Kindern, gemalt haben.“ Nahezu verschwunden sei die Gattung allerdings ab den 80er/90er Jahren, zumal kaum einmal mehr ein Künstler oder eine Künstlerin realistisch malte. Hier sieht Leissing mittlerweile einen Richtungswechsel, vor allem in den Arbeiten jüngerer Vorarlberger MalerInnen seien wieder verstärkt realistische Tendenzen zu erkennen. „Da sind sicher einige dabei, die auch Porträts malen könnten.“
Die ersten Reaktionen der AuftraggeberInnen auf das fertige Endprodukt seien oft ähnlich, so die Erfahrung von Leissing: „Sie erschrecken manchmal im ersten Augenblick, sind überrascht wie grob es gemalt ist und erkennen erst die Feinheiten wenn sie ein paar Schritte zurück treten. Ein Porträt ist nicht so glatt wie ein Foto, ein Ölbild hat eine Haptik, verändert sich in verschiedenen Lichtverhältnissen.“ Von der Fotografie als Ausgangsbasis verabschiedet hat sich Leissing auch in seiner Malerei jenseits der Porträts nie. Seine Bild¬inhalte „komponiert“ er nach wie vor jeweils aus Elementen verschiedener Fotos vorab am Computer. „Seit ich im neuen Atelier in Schwarzach bin, nur mehr mit eigenem Fotomaterial“, erzählt er. „Früher habe ich alles geklaut.“
Brigitte Kompatscher, Neue am Sonntag, März 2011








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